EINZELTITEL
Morphosen. Texte  [edition sisyphos, Köln 2002]
vereinzelt Passanten  Gedichte  [KOOKbooks, Berlin 2004]
Fragmentierte Gewässer  Gedichte  [Berlin Verlag 2007]
Torp  Skizzen  [sukultur, Berlin 2009]
Frenetische Stille  Gedichte  [Berlin Verlag 2010]
Torp  [Verlagshaus J. Frank, Berlin 2010]
Prachtvolle Mitternacht  Gedichte  [Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2013]
Torp. Neue Wimpern  [
Verlagshaus J. Frank, Berlin 2013]
Zuwendung in Zeichen  Postkarten  [sukultur, Berlin 2014]
Karten aus Gebieten  Gedichte  [
Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2017]


HERAUSGABEN

Schwerkraft  Junge amerikanische Lyrik  [Jung und Jung, Salzburg 2007]
Hermetisch offen  Poetiken junger deutschsprachiger AutorInnen  [Verlagshaus J. Frank, Berlin 2008]
Neubuch  Neue junge Lyrik  [yedermann, München 2008]
Die Schönheit ein deutliches Rauschen  Ostseegedichte  [Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 2010]
Schneegedichte 
[Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2015]
Thüringen im Licht  Gedichte aus fünfzig Jahren  [Wartburg Verlag, Weimar 2015]
Venedig. Der venezianische Traum  Gedichte  [Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2015]


ÜBERSETZUNGEN
Denise Duhamel  Barbieland  [sukultur, Berlin 2005]
Jeffrey McDaniel  Siamesische Gegensätze  [sukultur, Berlin 2006]
Billy Collins  Schnee schaufeln mit Buddha  [Edition Erata, Leipzig 2006]
Jeffrey McDaniel  Katastrophenkunde  [Lautsprecher, Stuttgart 2006]
Sarah Manguso  Elf hirschförmige Kekse  [sukultur, Berlin 2007]
David Lerner  Die anmutige Kurve eines Marschflugkörpers  [poetenladen, Leipzig 2008]
Arielle Greenberg  Stadt aus Papier  [luxbooks, Wiesbaden 2008]
Matthew Zapruder  Der Pyjamaist  [luxbooks, Wiesbaden 2009]
Sarah Manguso  Komm her o Klarheit!  [luxbooks, Wiesbaden 2009]
Forrest Gander  Als es dich gab  [luxbooks, Wiesbaden 2010]
Matthew Zapruder  Glühend  [
luxbooks, Wiesbaden 2011]
Sandra Beasley  Die Abtastnadel in der Rille eines traurigen Lieds  [Hochroth, Berlin 2011]
Johannes Frank  Erinnerungen an Kupfercreme  [Fixpoetry, Hamburg 2012]
Jeffrey McDaniel  Heimatland Neurose  [Hochroth, Berlin 2016]
Kerry Shawn Keys  Sich einen Fluss verschaffen  [Hochroth, Berlin 2017]


KOLLABORATIONEN
Sarah Manguso: Zwei Arten von Verfall 
[Mit Annette Kühn, luxbooks, Wiesbaden 2010]


POETOLOGISCHES
Share Your Ego.  Poetologische Kollaboration mit Helwig Brunner  [4handschreiben. Bibliothek der Provinz]
cut: Zypressen, Pinien, Zitronenbäume. Poetologisches Polaroid  [BELLA triste 13]
Unterwegs im Ego Wide Web  [Zwischen den Zeilen 25]
Fünf Antworten auf Fragen von Johannes Frank  [www.belletristik-berlin.de]
Einmal um den Wonnegarten. Kompilation zum Thema Paradiese  [Lichtungen 109]
Som hvad dog? Impressionen aus Kopenhagen und Traduktionsmomenten   [Goethe-Institut Kopenhagen]
Den aktuellen Akutheiten auf der Spur. Gespräch mit Andreas Heidtmann  [poet 4]
Lyrik als Schmuggelgut. Christian Lux und Annette Kühn (luxbooks) im Interview  [poet 5]
Fragebogen  [Poesiealbum neu, 2008, Heft 1]
Fünf Antworten auf fünf Fragen von Carsten Klook  [www.textem.de]
Interview für Poetry International Rotterdam  [www.poetryinternationalweb.org]
Über das Nichtzurechtkommen-Zurechtkommen. Torp-Forschung auf dem TUBUK Blog  [blog.tubuk.com]
Literarischer Briefklub. Vier Briefe an Vasyl Lozynskyi  [Website des Goethe-Instituts Kiew]
Gespräch mit Nancy Allison  [The Café Review 24]
Interview  [orte 184]


VERTONUNGEN
Philipp Maintz: septemberalbum/ acht. Für Frauenstimme und Klavier  [Uraufführung: München 2006
   (Hochschule für Musik und Tanz). Partitur: Bärenreiter, Kassel 2006]
Ana Maria Rodriguez: Telegramm von einer See. Für Viola und Elektronik
   [Uraufführung: Poesiefestival Berlin 2007 (Kulturbrauerei). Weitere Aufführungen: Berlin 2008 (ohrenstrand
   HouseMusic, Theater o. N.), Berlin 2011 (lunch & after work Konzert, Literaturhaus), Berlin 2012
   (KonzertDialog III: Poesie, VW Automobilforum)]
Ana Maria Rodriguez: Telegramm von einer See. Für Viola, Vibraphon, Trompete, Saxophon/ Bassklarinette
   und Elektronik  [Premiere: Konzerthaus Berlin 2007. Weitere Aufführung: New York 2007
   (Carnegie Hall: Zankel Hall)]
Ana Maria Rodriguez: Telegramm von einer See. Für Tape und Stimme
   [Uraufführung: Music as tapes, vinyl and songs (Theater Zeebelt, Den Haag | Smart Project Space,
   Amsterdam | Stedelijk Museum, Den Bosch | Muziekzentrum Tonzaal, Den Bosch) 2012]
Ana Maria Rodriguez: Radiostation der vergessenen Städte. Für Trompete, Perkussion und Elektronik
   [Uraufführung: Deutschlandradio Kammermusiksaal, Köln 2009]
   Weitere Aufführungen: Kiel 2010 (chiffren. kieler tage für neue musik), Donaueschinger Musiktage 2010
   (Donauhallen), Berlin 2010 (ohrenstrand, Pfefferberg), Buenos Aires 2010 (Sound & Language,
   Centro Cultural Moca)
Saskia Bladt: Fegewasser. Studie IIII. Klavierlied  [Uraufführung: Berlin 2010 (Universität der Künste,
   Interpretationsklasse von Axel Bauni)]
Philipp Maintz: septemberalbum. Lieder für Sopran und Klavier  [Uraufführung: Kasseler Musiktage 2010
   (Kulturbahnhof). Interpretin: Marisol Montalvo. Pianist: Markus Bellheim]
   Weitere Aufführungen: Theater Basel 2010 (Gare du Nord), Stuttgart 2011 (Akademie Schloss Solitude),
   Tokio 2011 (Opera Recital Hall), Nagayo 2011 (Denki Bunka Kaikan Concert Hall), Berlin 2014 (Ultraschall,
   Radialsystem V.
Interpretin: Claudia Barainsky. Pianist: Axel Bauni)  [Uraufführung der Ensemblefassung:
   Rom 2010 (Auditorium Parco della Musica)]
   Partitur: Bärenreiter, Kassel 2010
Sebastian Elikowski-Winkler: Novembertage. Für tiefe Frauenstimme und Klavier  [Uraufführung: Berlin
   2012 (Schwartzsche Villa). Interpretin: Angelika Weber. Pianist: Martin Schneuing]
Ana Maria Rodriguez: toccata semantica. Installation  [Uraufführung: Berlin 2013 (clang cut book,
   Villa Elisabeth)]
Saskia Bladt: Gesang der Feen. Klavierlied  [
Uraufführung: Camille Festival, Zürich 2014 (Theater STOK.
   Interpretin: Chasper-Curò Mani. Pianist: Jens Fuhr)]
Sarah Nemtsov: Prospekt. Für Bariton und 10 Instrumente  [
Uraufführung: Bregenzer Festspiele 2014
 
Seestudio des Festspielhauses, gemeinsames Konzert der Internationalen Sommerakademie Opus XXI
  und des Ensembles L'instant donné. Bariton: Lim Woo-Ram)]
Philipp Maintz: septemberalbum/ zwei  [Stuttgart 2015 (Festival: Sind noch Lieder zu singen? Das »Lied«
  in Deutschland nach 1945. Internationale Hugo-Wolf-Akademie. Konzertsaal der Hochschule für Musik
  und Darstellende Kunst.
Interpretin: Claudia Barainsky. Pianist: Axel Bauni)]


SONDERFORMEN
zweites urbanes Panneau.  Illustriert von Montsey (www.montsey.eu)  [Verlagshaus J. Frank, Berlin 2009]
kleine Schriften an C  [Edition Papperlapapp, Berlin 2010]
Umgebung für Personen mit diskontinuierlicher Heimat.  Illustriert von Ivonne Dippmann  [Poetryletter 257, Fixpoetry, Berlin 2013]




Oliver Jungen: Als hätte er den Quellcode unserer Kommunikation gehackt, vermag er Stimmungen punktgenau einzufangen, ohne auf offiziell zugelassene, abgeschliffene Formulierungen zurückzugreifen:
»du bist so flauscher Rausch, führst mich an / dir aus, wir haben beide / Flimmernellen fast, sind wie verstrangt«. Wer je verliebt war, weiß, dass es sich exakt so anfühlt.
(FAZ, 06.10.2016)


Die Worte sind gelockert, schlafhaft-traum(un)artig. Eine Art Freiheit weht durch ihre Weiten, mit Schönheiten ist ständig zu rechnen, Vergleich und Metapher spielen ihr Spiel, alles ist wie in einem Spiel, das oft zwischen ich und du stattfindet, jedes Wort kann jede Rolle einnehmen, umgewertet neue Bilder zaubern, diese Dichtung kommt vielleicht von Zauberei?!
(Ankündigung zur Lesung in der Alten Schmiede Wien, 15.05.2014)


Carola Wiemers: Seine Textgebilde machen Mut, rückwärts, seitlich, gegen den mächtigen Strom der »parole« zu sprechen – das heißt, aus den festgefügten Denkschemata der Sprache auszuscheren. […] Neben poetischen Landschaften, die sich auf konkrete Orte zurückführen lassen, geht es Winkler um Topographien der Ver-rückung. […] Dass neben »Solarlämmern« mitunter eine »Kara­wane von Einhörnern« in den Gedichten auftaucht, verweist ironisch-aufmunternd auf Paradoxien, die lebensnotwendig sind.
(Deutschlandradio, 18.12.2013)


Karin Fellner: Wie die Lorenzinischen Ampullen dem Hai die Wahrnehmung elektrischer Felder ermöglichen, so vermute ich bei Ron Winkler ein Sinnesorgan, das für die Komplexität von Strukturen und Signalflüsse zuständig ist. Seine Gedichte entfalten solch multidimensionale Räume, Ginster aus Energie« (um es mit ihm selbst zu sagen), geometrische Verschachtelungen und filigrane Auswüchse – all dies nicht nur thematisch, sondern besonders sprachlich, in Bild-Überblendungen, Ersetzungen, Paradoxien, Permutationen, Klangnetzen, neuen Wortkombinationen.
Dabei ist der Raum, den seine Gedichte uns öffnen, nie statisch, immer prozesshaft, immer mit Schub zum Übertritt in ein Anderes. Es findet ein Austausch durch alle Grenzflächen und Sprachebenen statt, denn »ich akzeptiere die Koppel als nicht vorhanden«. Die Koppel meint meiner Lesart nach hier auch die eingehegten Sprachgewohnheiten, die der Dichter immer wieder zu überschreiten und zu erweitern sucht.
(
Aus der Moderation zur Lesung im Lyrik Kabinett München, 23.09.2013)


Michael Braun: Ron Winkler liebt die exquisiten Fügungen, aus denen wie aus einem Strahlenbündel Bedeutungen nach allen Seiten hervorbrechen. Wie kleine Offenbarungsblitze und verrätselte Evidenzen durchzucken opak funkelnde Substantive seine Gedichte – und in jedem Vers sind sie zum Abweichungs-Sprung bereit. Wörter – so darf man im Rückgriff auf eines seiner Gedichte formulieren – sind für diesen Dichter »Animierwesen« – sie suchen nach einer Möglichkeit, uns gleichsam mitten im Wort zu wecken, uns loszureißen vom bloß funktionalen Gebrauch der Sprache.
(Programmheft zum Erlanger Poetenfest, August 2013)


Bettina Hartz: Ron Winkler hält seine Synapsen neugierig ins Offene. An bloßer mimetischer Verdopplung abgepackter Wirklichkeitsfasern ist er nicht interessiert. Und er unterliegt auch nicht dem Irrtum, Dichtung erschöpfe sich in der Etikettierung medial gefilterter Wirklichkeit. Er erfindet sich seine eigene, faltet die Sprache auf, hinein in einen Möglichkeitsraum, der nur noch seinem eigenen Referenzsystem gehorcht, das ihn mit seiner Unerschöpflichkeit ebenso zu überraschen vermag wie den Leser. […]
Die Texte durchscheint eine Imago des Gedichts, ein Ideal der Gattung, erschaffen aus einem Eigensinn, der sich die Mittel zubereitet, nicht importiert. Den Leser ergreift da eine ästhetische Lust, die ihn nicht mehr vorwärts treibt, einer Pointe zu, sondern verweilen lässt im Genuss des poetischen Überschusses.
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.04.2013)


Richard Pietraß: Unter den Dichtern seiner Generation ist der 1973 an der Saale geborene Ron Winkler der Tänzelnde, Tändelnde, mit der Sprache und ihren Sachen Händelnde. Sein Weltanschauen scheut blindes Vertrauen und tritt einen Augenblick zurück, um auf den zweiten Klick adäquater und delikater zu sehen, selbst die Natur durch ironische Brechung ihrer Ikonen in ihren Sinngespinsten und poetischen Mutationen, ihren »Fleurs du Malheur« zu verstehen.
(Ankündigung in der Gesprächsreihe »Dichterleben«, 05.04.2013)


Dominik Dombrowski: Winkler hat mit der Zeit […] einen unverwechselbaren Stil entwickelt, so dass an anderer Stelle jüngst gar von »ron-winkler-like« die Rede war. […] Mit seinem konsequent durchgehaltenen Kunstgriff der bewussten und spielerischen Dekonditionierung linearer Erfahrungswelten öffnet er weiter verlässlich seine kritisch-psychedelischen Parallelrealitäten.
(www.fixpoetry.com, 02.11.2012)



Hermann Wallmann: Im Grunde ist es eine Art multitasking-Lyrik. [
] Früher hätte man aus jeder dieser Zeilen, die Ron Winkler schreibt, vielleicht ein eigenes Gedicht gemacht. [] Aber diese osmotische Beweglichkeit, oder die Einlässlichkeit, dass er sich auf Impulse einlässt, die er gar nicht unbedingt steuern kann, und die dann doch in dieser Intensität so etwas bilden wie einen nervösen Gedichtkörper, das leuchtet mir vollständig ein.
(WDR 3 Mosaik, 01.04.2011)


Frank Witzel: Es ist das Ephemere, das Vorübergehende, das Entstehen und Vergehen, das der Autor konstatiert und in Worte fasst.
(www.goethe.de/rayuela, Juli 2010)


Henning Heske: Seine Gedichte sind im besten Sinne anders.
(www.fixpoetry.com, April 2010)


Tom Schulz: Hier haben wir Dichtung im Zeitalter der Globalisierung, die zwischen hoher Konzentration und lustvoller Abschweifung changiert. In poetischen Entwürfen, die Verwirrung stiften und Klarheit evozieren. Denn trotz aller möglichen Fachsprachen- und Fremdsprachenregister, die Winkler auf irritierend gekonnte Weise in eine Mixtur aus Bauhaus-Stühlen und darauf posierenden Dubuffet-Schafen verwandelt, wissen diese Texte um ihr sinnliches Potenzial.
(www.poetenladen.de, 24.03.2010)


Carsten Klook: Ein Sprachraumforscher des 21. Jahrhunderts.
(ZEIT online, 24.03.2010)



Elena Philipp: Als Ron Winkler im Jahr 2005 den Leonce-und-Lena-Preis gewann, lobte die Jury, dass es ihm gelungen sei, »das Naturgedicht ein weiteres Mal zu aktualisieren und als Referenz eines modernen Lebensgefühls nutzbar zu machen«. Noch im neuesten Gedichtband, »Fragmentierte Gewässer«, meint man die Bewegung von der unmittelbaren Wahrnehmung etwa einer Küste zum Sprachbild zu erkennen – mit all den terminologischen und theoretischen Überformungen, die auch den Debütband »vereinzelt Passanten«, der 2004 bei kookbooks erschien, so echoreich und weiträumig, so jetztzeitig gemacht hatten.
Inzwischen hat sich die Natur zurückgezogen – es bleiben Sprachwelten, Sprachspiele. In manchen seiner neueren Gedichte siedelt das Phantastisch-Groteske; sie gehorchen einer Traumlogik, die disparate Bilder zu einer eigengesetzlichen, aber vollkommen glaubwürdigen Über- und Unterwelt formiert.
Ron Winklers Gedichte sind vollgültige Wortwelten, oder, um es in seinen Worten zu sagen: »Himmelskörper, die fast performativ Bedeutung abstrahlen«.
Sperrig in einem positiven Sinne sind seine Sprachgebilde: Wuchtige Worte, die wie Widerhaken im Text hängen, hemmen den Lesefluss und bringen, ja zwingen, zum Denken. »Hermetisch offen« hat Ron Winkler eine von ihm edierte Ausgabe der Zeitschrift »intendenzen« über die Poetiken junger Lyrikerinnen und Lyriker genannt. Für seine eigenen Gedichte wäre das die perfekte Formel.
(Moderationstext zur Lesung auf dem LAN-Festival, 29.05.2009)


Richard Kämmerlings: avanciert, sozial- und medienkritisch
(FAZ, 25.04.2009)


Daniel Bergner: Bei Ron Winkler sitzt einfach alles. Kaum ein Lyriker seiner Generation schafft es, mit derlei spitzkantigen, geschliffenen Zeilen aus einer pointiert intellektuellen Haltung emotionale Gewässer zu schaffen, die mitreißen und einen kleinen Weltgesang anstimmen, dem man sich nur zu gerne überlassen würde. Allein einlullend ist das Ganze nicht, man muss schon mitschwimmen, sonst verliert man den Gedanken auf seiner Reise zwischen Emotion, Intellektualität und purer Poesie.
(www.amazon.de, 19.09.2008)


Kathrin Schmidt: Seine Texte finden oft in der frappanten Montage phosphoreszierender und autochthoner Worte und Wortbestandteile zu selbstbestimmtem Leben. […] Als würden Ur-Elemente der Dichtung – Liebe und Paarung, der Lauf der Jahreszeiten wie der Wolken am Himmel – allein durch den Kortex in Synthese mit apparativer Begrifflichkeit gebracht. Neues, gepresstes Material von großer Festigkeit entsteht, das aber in flexiblen poetischen Strukturen verbaut wird.
(LICHTUNGEN, Heft 115, Juni 2008)


Carsten Schwedes: In der Betrachtung des Bekannten wird das Wahrnehmen selbst zum Thema.
(www.titel-forum.de, Juli 2007)


Jan Drees: »Wie Farbfehler stehen schwarzweiße Kühe auf einer Wiese«, beschreibt der Lyriker Ron Winkler seine »Provinz à la trance«. Landschaften sind großes Thema im Band »Fragmentierte Gewässer«, mit  Versen, für die eine Popband gegründet werden müsste: »Es gehört zur Natur der Dinge, dass in ihnen Metaphern blühen. Seit Jahrtausenden hält das den Modus Mond beschreibbar.« Diese Sätze gehören ins Ebbe-Portemonnaie und an die Kaffeemaschine als Guten-Morgen-Gruß. Oder man liest sie schwärmend dem angebeteten Schwarm vor: »über die Jahre hattest du deine Mückenstiche auf einer Schaufensterpuppe eingetragen.« Wunderschön. Für Fans von: Daniel Falb, Teichrosen und Peter Licht.
(www.einslive.de, 23.03.2007)


Franz Josef Czernin: Im Übrigen ist der Begriff Naturgedicht hier ziemlich leer. Man könnte ebensogut von einem Gehirnwissenschaftsgedicht, einem Physikgedicht usw reden.
(BELLA triste, Heft 17, Sonderausgabe zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik, März 2007)


Brigitte Oleschinski: Die Gedichte schlagen die erstaunlichsten Funken aus den digitalisierten Feuersteinen und schweißen die seltsamsten poetischen Container daraus, verpackt in Rollrasen auf Selbstfahrlafette.
(BELLA triste, Heft 17)


Carola Wiemers: So fühlt man sich bei Winklers Gedichten mehrfach an Wittgensteins »Tractatus logico philosophicus« erinnert, denn das Er-schauen von Welt läuft über Bilder, die – ausgehend von wahrgenommenen Sachverhalten – als Sprache manifestiert werden. Dort hakt sich Winkler ein und tänzelt mit unglaublicher Vitalität und kesser Eleganz angenehm unakademisch auf sprachlichphilosophischem Parkett. Bei dieser »dance fiction« werden Pappeln am Horizont zum »Irokesengestrüpp« oder Wolken als »im Prinzip nichts« deklassiert, um eine Zeile später schon als »das gekonnt einfache Abbild einer Nässe« von signifikanter Bedeutung zu sein.
(Deutschlandradio Kultur, 02.03.2007)


Peer Feldhaus: Man nähert sich seinen assoziationsreichen Gedichtcollagen vielleicht am Besten, indem man versucht, seine Dichttechnik metaphorisch in einen Begriff zu fassen: So könnte man ihn einen sensiblen Bedeutungsarchitekten, originären Wortreisenden oder auch Perzeptions-Monteur für Deutungsbestandteile nennen. Winkler beobachtet mit idiomatischer Muße unsere Restfauna bei der Verrichtung ihres ontogenetischen Auftrags. … [Er] übersteigert seine Wahrnehmungsfülle am vertrauten Gegenstand. Diese Diskrepanz macht seine Lyrik besonders (ent)spannend. Eine gleichsam still erzappte Heimat wird nostalgisch in die eigene Sprachform gegossen und entschleunigt: Balsamierte Beobachtungen der norddeutschen Tiefebenen und der in ihnen hausenden Kreaturen ringen verwandten Begriffen und bekannten Alltagsphänomenen durch metonymische Eingriffe immer wieder neue Zusammenhänge ab. Er konstruiert so nicht selten ironisch-unterhaltsame Uneigentlichkeiten, denen man sich kontemplativ annähern kann, an denen man häufig fasziniert innehält und sich auch gern mal reflexiv abarbeitet.
(Die Berliner Literaturkritik, 16.02.2007)


Der Mondseer Lyrikpreis 2006 geht an Ron Winkler, dessen scheinbar kühle Gedichte durch die Reibung des Jargons des Informationszeitalters mit kühnen Bildfindungen poetische Themen und Sprechweisen auf unverwechselbare und irritierende Art in eine poesiefeindliche Wirklichkeit retten.
(Jurybegründung)


Paul Jandl: Ganz in der Gegenwart angekommen ist Ron Winklers überzeugende Kunst.
(Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2006)


Hans Jürgen Balmes: Was mir an diesen Gedichten auffällt, ist so etwas wie ein virtueller Gestus. Wir haben es in den letzten Jahren erlebt, dass die Dichter oft das Gefühl hatten, sie müssten den Kehlkopf aufschneiden, um herauszufinden, wo die Dichtung herkommt. Hier geht einer genauso entschieden auf neue, neurologische, wahrnehmungspsychologische Ideen zu, aber er braucht dafür gar keinen Kehlkopf, sondern er ist davon überzeugt, dass Sprache und Wahrnehmung Gedichte ausmachen. […] Er dekonstruiert unsere Wahrnehmungen in Informationseinheiten, die dann über das Keyboard der Poesie eingespeist werden können […] aber auch Sprachgesten des Gedichts, die unmittelbar übersetzt werden. […] Mich hat bei der Lektüre sehr angesprochen, wie Sprache wörtlich genommen wird – Sprache nicht nur als Material benutzt wird, das ganz bestimmte Bezeichnungen hat, die man einfach aufruft: Man sagt Tisch und jeder sieht einen Tisch. So wie er Tisch sagt, sieht man das Wort Tisch und zugleich den Tisch. […] So entwickelt sich eine Vielschichtigkeit, die einerseits auf die Sprache rekurriert, auf unsere Wahrnehmung, auf die Konstruktion unserer Wahrnehmung durch Informationseinheiten, und die das wieder zurückbiegt in unseren Umgang mit diesen Informationen.
(Protokolliert beim Meraner Lyrikpreis 2006)


Bei Ron Winkler beeindruckte die exzellent komponierte Mixtur aus präzise und pointiert formulierten Bildern mit augenzwinkernd eingeworfenen Begriffen aus der modernen Informationsgesellschaft. Dadurch, und weil er in seinen Kompositionen die Freude quasi durch eine virtuelle Brille betrachtet, ist es ihm unter anderem gelungen, den etwas verstaubten Begriff der Ode für das Computerzeitalter zu aktualisieren.
(Jury des erostepost-Literaturpreises, Februar 2006)


Katharina Döbler: Bei Ron Winkler […] bleibt von der Natur fast nur der Umriss, die »Springform der Wellen« übrig und von der Kreatur die hochaktuelle Formulierung, »die Katzen unverändert / per Sie mit ihrer Umgebung« und »die Vögel beenden den Tag im silent mode«. Winklers prinzipielle sprachliche Zeitgeistigkeit ist überwältigend, die Gefahr einer aus dem Pathos entstehenden Lächerlichkeit für uns Zeitgenossen völlig ausgeschlossen.
(Über die Preisträger des Literarischen März, Die Zeit, 14.04.2005)


Der Leonce-und-Lena-Preis 2005 geht an Ron Winkler. Geschult an der Tradition der deutschen Naturlyrik von der Romantik bis zur Naturmagischen Dichtung gelingt es ihm, das Naturgedicht ein weiteres Mal zu aktualisieren und als Referenz eines modernen Lebensgefühls nutzbar zu machen. Dabei sind die Analogien, von einer Landschaft auf einen Text und von einem Text auf eine Landschaft zu schließen, noch einmal unterbrochen von einem in Natur gestelltem Subjekt, das als meinungskompetente Person ebenso inszeniert wird wie als Rede- und Denkfigur. Beide Konfigurationen sind gekennzeichnet von Ironie und Selbstironie, Spiel und Komik sowie immer auch von existenzieller Ernsthaftigkeit. Denn: »Das Hinterland [ist] eine typische Amokfläche.«
(Begründung der Jury)


Peter Geist: Man lasse sich nicht durch die eingebundenen Begrifflichkeiten aus Sprach- und Texttheorien […] täuschen: Nicht wissenschaftliches Erkenntnisinteresse grundiert die Texte, es ist nur einer der Haken, an denen die Ausflüge ins Exorbitante abgesichert werden […] Das sind so Gedichte, die langsam am Gaumen zu schmecken hohen Genuss versprechen.
(Nachwort zu vereinzelt Passanten)


Gerhard Falkner: Die Gedichte Ron Winklers sind schön, egal ob der Satz, bei dem man sich gerade aufhält, ganz genau weiß, was damit gemeint ist. Sie übertreiben aber nicht mit ihrer Schönheit, diese ist vielmehr ein leiser Eintrag in lakonisch inszenierte Aufrisse von Welt.
(zu neueren Gedichten, 2004)